Was heißt Brand Voice definieren eigentlich?
Brand Voice definieren heißt, eine feste, wiederholbare Art zu schreiben festzulegen – Wortwahl, Satzlänge, Tonfall, Haltung – damit jeder Text deiner Marke, egal wer ihn schreibt, gleich klingt. Nicht "kreativ sein". Nicht "authentisch rüberkommen". Sondern: eine Regel, die du morgen wieder anwenden kannst, auch wenn du selbst gerade keine Lust zum Schreiben hast.
Ich hab das am Anfang komplett falsch gemacht. Ich dachte, Brand Voice ist ein Gefühl. Ist es nicht. Es ist ein Dokument.
Warum das gerade jetzt wichtiger wird
Weil KI mitschreibt. Du nutzt ChatGPT für Produktbeschreibungen, dein Social-Media-Mensch nutzt es für Captions, vielleicht schreibt bald ein Tool bei dir automatisch Ads. Ohne eine dokumentierte Markenstimme klingt jeder dieser Texte anders – mal förmlich, mal flapsig, mal wie aus einem Ratgeber-Buch von 2014. Menschen merken das, auch wenn sie es nicht benennen können. Es fühlt sich einfach nicht "aus einer Hand" an.
Das lernte ich, als mein ganzes Team plötzlich anders schrieb. Die eine Kollegin hat Ausrufezeichen überall reingezimmert, der andere hat alles in Nominalisierungen gegossen, und am Ende klangen wir wie drei unterschiedliche Agenturen. Genau der Moment, wo mir klar wurde: Ohne Dokument läuft das auseinander, egal wie gut alle einzeln sind.
Tonalität festlegen: 6 Punkte, die funktionieren
Eine gute Tonalität lässt sich an sechs konkreten Punkten festmachen – nicht an vagen Adjektiven wie "modern" oder "sympathisch". Sobald du diese sechs Punkte beantwortet hast, hast du keine Stimmung mehr, sondern ein Regelwerk, das du auch morgen noch anwenden kannst.
- Anrede: Duzt du oder siezt du? Das ist die Grundentscheidung, die alles andere prägt.
- Satzlänge: Kurze, abgehackte Sätze wie ein Gründer-Post? Oder lange, erklärende Sätze wie ein Fachartikel?
- Fachvokabular: Erklärst du Begriffe, oder setzt du Vorwissen voraus? Ein B2B-SaaS für Entwickler darf anders klingen als ein Coaching-Angebot für Einsteiger.
- Humor-Level: Null Humor, trockener Humor, oder Meme-nah? Das entscheidet, ob eine Anzeige lustig wirkt oder peinlich.
- Emotionalität: Nüchtern und faktenbasiert, oder mit viel "du schaffst das"-Energie?
- Verbotene Wörter: Was sagst du NIE? Manche Marken verbieten "sicher" oder "günstig", andere jedes Ausrufezeichen.
Sobald du zu jedem Punkt einen Satz hast, ist das schon dein erstes Brand-Voice-Dokument. Ernsthaft, mehr braucht es am Anfang nicht.

Wie klingt meine Marke? Die Übung, um es aus vorhandenen Texten abzuleiten
Die schnellste Art herauszufinden, wie deine Marke klingt, ist nicht neu zu schreiben, sondern das zu analysieren, was du schon geschrieben hast. Du hast wahrscheinlich schon zehn, zwanzig, fünfzig Texte draußen: Instagram-Captions, E-Mails an Kunden, vielleicht ein paar Support-Antworten. Genau da steckt deine echte Stimme drin, nicht in dem, was du dir gerade ausdenkst.
Hier die Übung, Schritt für Schritt.
Schritt 1: Sammle deine 10 besten Texte
Nimm die zehn Texte, bei denen du im Nachhinein denkst: "Ja, so will ich klingen." Das können Captions sein, eine gute E-Mail an einen Kunden, ein Post, der gut ankam. Wichtig ist nicht, was am besten performt hat – wichtig ist, was sich für dich richtig anfühlt, heute nochmal gelesen.
Misch bewusst verschiedene Formate. Eine Ad klingt anders als eine Support-Mail, aber beide sollten trotzdem "nach dir" klingen. Sammelst du nur Ads, bekommst du am Ende nur eine Verkaufsstimme, keine ganze Markenstimme.
Schritt 2: Markiere Muster, nicht Meinungen
Lies die zehn Texte durch und markiere, was sich wiederholt. Nutzt du oft kurze Sätze? Fängst du Sätze mit "Und" oder "Aber" an? Stellst du Fragen an den Leser? Benutzt du bestimmte Wörter immer wieder ("einfach", "ehrlich gesagt", "krass")?
Das ist der Part, den die meisten überspringen. Sie schreiben stattdessen auf, wie sie klingen WOLLEN, nicht wie sie tatsächlich klingen. Beides kann sich unterscheiden, und dann bricht das Dokument in der Praxis auseinander, weil es nie zu den echten Texten gepasst hat.
Schritt 3: Formuliere 3 Do's und 3 Don'ts
Aus den Mustern wird jetzt eine kurze Liste. Zum Beispiel: "Wir stellen dem Leser eine Frage pro Absatz." Oder: "Wir nutzen nie Ausrufezeichen in der Überschrift." Halte es auf sechs Punkten – drei Sachen, die ihr macht, drei, die ihr nie macht.
Kurz heißt hier wirklich kurz. Ein Dokument mit zwanzig Regeln liest niemand aus deinem Team, bevor er eine Caption schreibt. Sechs Regeln kann sich jeder merken.
Schritt 4: Teste die Regeln an einem neuen Text
Schreib jetzt einen komplett neuen Text nach deinen sechs Regeln – zum Beispiel eine Produktbeschreibung oder eine Landingpage-Zeile. Lies sie dir laut vor. Klingt das nach dir, oder klingt das nach "irgendeiner Marke, die diese Regeln befolgt"?
Fühlt sich das Ergebnis fremd an, ist wahrscheinlich eine der Regeln zu allgemein. "Wir klingen freundlich" ist keine Regel, das ist ein Wunsch. "Wir stellen dem Leser eine konkrete Frage im ersten Satz" ist eine Regel, die man befolgen oder brechen kann.
Schritt 5: Gib die Regeln an KI-Tools weiter
Sobald die sechs Regeln stehen, kannst du sie als festen Prompt-Baustein für ChatGPT, Claude oder andere Tools nutzen – so bekommst du Textentwürfe, die schon näher an deiner Stimme liegen, statt jedes Mal bei null anzufangen. Das spart Zeit, ersetzt aber nicht das Gegenlesen. KI trifft die Grundmelodie oft gut, aber die feinen Eigenheiten – dein Lieblingswort, dein Timing bei Humor – bleiben meistens Handarbeit.
Genau hier liegt übrigens einer der Gründe, warum ein Content-Plan ohne dokumentierte Stimme oft auseinanderfällt: Jeder Post wird einzeln neu erfunden, statt aus einer Regel zu folgen.
Brand Voice vs. Markenidentität: was ist der Unterschied?
Brand Voice ist nur ein Teil der Markenidentität, nicht das Ganze – Logo, Farben und visuelle Sprache gehören ebenfalls dazu, aber die Stimme ist der Part, der in jedem Text, jeder Ad und jeder E-Mail direkt spürbar wird.
| Element | Was es steuert | Beispiel |
|---|---|---|
| Brand Voice | Wie du schreibst und sprichst | Kurze Sätze, du-Form, kein Fachchinesisch |
| Visuelle Identität | Wie du aussiehst | Farben, Logo, Bildsprache |
| Markenwerte | Wofür du stehst | Transparenz, Nachhaltigkeit, Tempo |
| Positionierung | Wie du dich abgrenzt | "Für Einsteiger" vs. "Für Profis" |
Viele Gründer stecken Wochen in Logo und Farbpalette, aber keine Stunde in die Stimme. Dabei liest niemand dein Logo laut vor. Deine Texte lesen die Leute jeden Tag, in jeder Ad, in jeder E-Mail.
Wo Brand Voice in der Praxis sichtbar wird
Deine Stimme zeigt sich am deutlichsten dort, wo du am meisten Text produzierst – und das ist oft nicht die Website, sondern die laufende Content-Maschine. Ein Video Hook muss in den ersten Sekunden nach dir klingen, sonst wirkt das ganze Video wie eine austauschbare Vorlage. Genauso beim E-Mail-Marketing: Klingt die Willkommensmail förmlich und die nächste Kampagne locker, verliert der Leser das Gefühl, mit einer echten Marke zu tun zu haben.
Besonders unterschätzt wird der Bereich Affiliate- und Partner-Content. Baust du ein Affiliate-Programm auf, schreiben plötzlich andere Menschen über deine Marke. Ohne klare Voice-Regeln bekommst du zehn unterschiedliche Versionen deiner Marke, verteilt über zehn Partner-Kanäle.
Praxisbeispiel: wie das bei echten SaaS-Marken aussehen kann
Man sieht den Unterschied gut, wenn man sich anschaut, wie unterschiedlich technische Produkte ihre Stimme einsetzen, obwohl die Zielgruppe ähnlich nüchtern und fachlich ist.
Snaptrade adressiert Fintech-Entwickler, ein Publikum, das wenig Toleranz für Marketing-Sprache hat. Die Kommunikation bleibt entsprechend technisch und direkt, ohne verkäuferischen Ton – geschätzt ca. 142.000 Besuche im Monat und eine geschätzte MRR von rund 4,46 Mio. US-Dollar zeigen, dass Nüchternheit in diesem Segment funktionieren kann.
Diode wiederum spricht Hardware-Entwickler an, ebenfalls ein fachlich anspruchsvolles Publikum – aber mit einer Positionierung, die stärker auf "Automatisierung eines mühsamen Prozesses" setzt statt auf reine Faktenaufzählung. Zwei Zielgruppen, die beide Fachsprache erwarten, aber mit unterschiedlichem Fokus in der Tonalität. Das zeigt: Es gibt nicht die eine richtige Brand Voice für "B2B-SaaS" – die Stimme muss zur konkreten Zielgruppe passen, nicht zur Branche allgemein.
Häufige Fehler beim Brand Voice definieren
Die meisten Fehler entstehen, weil das Dokument zu abstrakt bleibt oder nie wirklich genutzt wird.
- Zu allgemeine Adjektive: "Freundlich, professionell, modern" – das könnte jede Marke von sich behaupten. Konkrete Regeln statt Adjektive.
- Nie getestet: Die Regeln werden aufgeschrieben, aber nie an echten neuen Texten geprüft. Dann merkt man erst beim dritten Newsletter, dass eine Regel unpraktisch ist.
- Nur für Social Media gedacht: Die Stimme muss auch in Support-Antworten, Rechnungen und Rückerstattungs-Mails funktionieren, nicht nur in coolen Captions.
- Von der Konkurrenz kopiert: Klingt deine Stimme wie die von drei anderen Marken in deiner Nische, ist es keine Stimme, sondern ein Trend.
- Kein Verantwortlicher: Ohne jemanden, der die Regeln pflegt und bei neuen Texten gegenliest, verwässert die Stimme innerhalb weniger Monate wieder.
Gerade zusätzlich an deiner sichtbaren Person als Gründer? Lohnt sich ein Blick auf Personal Brand aufbauen – die Stimme deiner Firma und deine persönliche Stimme sollten sich nicht widersprechen, auch wenn sie nicht identisch sein müssen.
Was ein System leisten müsste, um das komplett zu übernehmen
Ein System, das dir hier wirklich hilft, müsste mehr können als nur Texte generieren: Es müsste aus Daten vieler echter Projekte lernen, welche Tonalität in deiner Nische bei ähnlichen Zielgruppen funktionieren kann, daraus eine Strategie für deine eigene Marke ableiten und anschließend Creatives produzieren, die genau in dieser Stimme klingen – organisch und in bezahlten Kampagnen gleichermaßen.
Genau an diesem Punkt sind die meisten allein, ich war es auch. Man hat die sechs Regeln aufgeschrieben, aber jede Woche neu Captions, Ad-Texte und Mails in dieser Stimme zu produzieren, frisst Zeit, die man eigentlich fürs Produkt bräuchte. Bei Starte.ai bauen wir genau das mit: Wir werten Daten aus tausenden echten Projekten aus, leiten daraus eine Strategie für deine Marke ab und produzieren die Creatives in deiner Tonalität, organisch und bezahlt. Bohdan, unser Gründer, begleitet Projekte dabei persönlich mit – das erste Strategiegespräch ist kostenlos, und du kannst kostenlos reinschauen, ob es zu dir passt.
In der Praxis reichen oft fünf bis sechs klare Regeln – drei Do's, drei Don'ts. Mehr wird selten befolgt, weniger ist zu vage, um wirklich zu steuern, wie Texte klingen.
Der Grundton sollte gleich bleiben, aber die Ausprägung darf variieren. Eine Support-Mail klingt ruhiger als ein TikTok-Hook, beide können trotzdem klar erkennbar zur selben Marke gehören.
Ja, das kann in Phasen sinnvoll sein, etwa wenn sich die Zielgruppe verschiebt. Am besten schrittweise, damit bestehende Kunden die Marke wiedererkennen und der Wechsel sich nicht wie ein Bruch anfühlt.
Ein guter Prompt mit deinen sechs Regeln bringt dich näher ran, ersetzt aber kein Gegenlesen. Feinheiten wie Timing bei Humor oder Lieblingswörter justierst du meist noch von Hand nach.
Nächste Schritte
Sammle zehn Texte, die schon nach dir klingen. Markiere die Muster, nicht deine Wunschvorstellung. Schreib sechs Regeln auf, drei Do's, drei Don'ts. Teste sie an einem neuen Text, laut vorgelesen. Dann erst gib sie an dein Team oder an eine KI weiter.
Häufige Fragen
Wie definiere ich meine Brand Voice?
Du sammelst zehn Texte, bei denen du im Nachhinein sagst 'so will ich klingen', und markierst darin wiederkehrende Muster statt Wunschvorstellungen. Aus den Mustern formulierst du drei Do's und drei Don'ts. Das reicht als erstes Brand-Voice-Dokument völlig aus.
Was gehört alles zu einer Brand Voice?
Eine gute Tonalität lässt sich an sechs Punkten festmachen: Anrede, Satzlänge, Fachvokabular, Humor-Level, Emotionalität und verbotene Wörter. Sobald du zu jedem Punkt einen Satz hast, hast du ein Regelwerk statt vager Adjektive wie 'modern' oder 'sympathisch'.
Was ist der Unterschied zwischen Brand Voice und Markenidentität?
Brand Voice ist nur ein Teil der Markenidentität und beschreibt, wie du schreibst und sprichst. Logo, Farben, Markenwerte und Positionierung gehören ebenfalls zur Markenidentität, aber die Stimme ist der Teil, den man in jedem Text direkt spürt.
Kann ich KI-Tools wie ChatGPT für meine Brand Voice nutzen?
Ja, sobald deine sechs Regeln stehen, kannst du sie als festen Prompt-Baustein für ChatGPT oder Claude nutzen, um Textentwürfe näher an deiner Stimme zu bekommen. Das ersetzt aber nicht das Gegenlesen, weil feine Eigenheiten wie dein Timing bei Humor meistens Handarbeit bleiben.
Geschrieben von
Bohdan BernatekGründer, Starte.ai
Gründer von Starte.ai. Hat ein Business mit über 125.000 organischen Leads und siebenstelligem Umsatz aufgebaut — und begleitet heute Gründer persönlich dabei, aus den Daten tausender echter Projekte eine Strategie für ihre eigene Marke abzuleiten und die Creatives dafür zu produzieren.



