Wettbewerbsanalyse Schritt für Schritt: Warum die meisten viel zu früh aufhören
Wettbewerbsanalyse Schritt für Schritt heißt vor allem eins: nicht nur die Firmen angucken, die genau dein Produkt bauen. Die meisten Solo-Gründer schauen sich drei Konkurrenten an, sehen "das ist schon besetzt" und geben auf. Dabei zählt jeder Weg, mit dem jemand dasselbe Problem heute schon löst, egal ob mit Software, einer Excel-Tabelle oder einem Freelancer auf Fiverr.
Ich hab das am Anfang genauso falsch gemacht. Ich hab nach "Konkurrent" gegoogelt, drei Tools gefunden, die ungefähr das Gleiche machen wie meine Idee, und war kurz davor, das Ganze zu begraben.
Bis mir aufgefallen ist: keiner dieser drei Konkurrenten löst das Problem wirklich gut. Sie lösen es nur irgendwie.
Was ist eine Wettbewerbsanalyse eigentlich?
Eine Wettbewerbsanalyse ist die systematische Untersuchung, wer dein Zielkunde heute schon nutzt, um sein Problem zu lösen, egal ob das ein direktes Konkurrenzprodukt ist oder ein ganz anderer Weg. Das Wort klingt nach Tabellenkalkulation und Unternehmensberatung, ist aber im Kern simpel: du willst wissen, wogegen du eigentlich antrittst, bevor du eine Zeile Code schreibst.
Der Unterschied zur reinen Konkurrenzanalyse ist wichtig. Konkurrenzanalyse schaut auf Firmen, die ein ähnliches Produkt anbieten. Wettbewerbsanalyse schaut breiter: auch auf Tabellen-Templates, YouTube-Tutorials, Berater, Agenturen oder einfach "gar nichts tun" als Alternative. Dein echter Wettbewerber ist manchmal keine Software, sondern eine Excel-Datei, die seit fünf Jahren funktioniert und die niemand anfassen will.
Große Firmen können sich einen mittelmäßigen Product-Market-Fit leisten, weil sie mit Ads draufhauen. Du nicht.
Deine gesamte Chance liegt darin, eine Lücke zu finden, die groß genug ist für dich allein.
Schritt 1: Definier zuerst das Problem, nicht das Produkt
Bevor du irgendeine Firma googelst, schreib das Problem deines Kunden in einem Satz auf, ganz ohne Lösung. Nicht "Leute brauchen ein Tool für Rechnungsstellung", sondern "Freelancer verlieren Zeit und Nerven, weil sie Rechnungen manuell nachverfolgen und ihnen Geld entgeht, wenn Kunden zu spät zahlen." Das ist der Unterschied zwischen einer Produktkategorie und einem echten Problem.
Definierst du das Problem statt das Produkt, öffnest du automatisch den Blick für alle Lösungswege. Rechnungssoftware ist nur einer davon. Ein Buchhalter, eine Vorlage in Google Docs, ein Erinnerungssystem im Kalender, sogar ein WhatsApp-Reminder an sich selbst, alles davon sind Wettbewerber um dieselbe Aufmerksamkeit und dasselbe Budget.
Schreib dir außerdem auf, wer das Problem hat und wie oft es auftritt. Ein Problem, das einmal im Jahr nervt, ist ein anderes Geschäft als eins, das täglich blockiert.
Das entscheidet später, wie viel jemand bereit ist zu zahlen.
Schritt 2: Finde alle Wege zum gleichen Ziel, nicht nur direkte Konkurrenten
Direkte Konkurrenten sind nur die Spitze vom Eisberg. Die eigentliche Arbeit ist die Suche nach indirekten und ersatzweisen Lösungen. Ich unterscheide bei jeder Wettbewerbsanalyse drei Ebenen:
| Ebene | Was das bedeutet | Beispiel Rechnungstool |
|---|---|---|
| Direkte Konkurrenten | Gleiches Produkt, gleiche Zielgruppe | Andere Invoicing-SaaS für Freelancer |
| Indirekte Konkurrenten | Anderes Produkt, löst dasselbe Problem | Buchhaltungssoftware mit Rechnungsfunktion |
| Ersatzlösungen | Kein Produkt, aber löst das Problem trotzdem | Excel-Vorlage, Steuerberater, "einfach nicht nachhalten" |
Die dritte Zeile wird am häufigsten übersehen. Und ist oft am wertvollsten.
Merkst du, dass die meisten Leute in deinem Zielmarkt aktuell mit einer selbstgebastelten Lösung leben, heißt das: es gibt keinen guten Standard, an dem sie festhängen. Das ist leichter zu knacken als ein etablierter Marktführer mit treuen Kunden.
Wo du suchst: Google nach "[Problem] Vorlage", "[Problem] Excel", "[Problem] wie machen andere", Reddit-Threads, Facebook-Gruppen deiner Zielgruppe, und Bewertungsportale wie G2 oder Capterra. Genau hier hilft dir übrigens die Trend-Finder-Recherche bei Starte.ai, weil sie dir zeigt, wonach Leute in deiner Nische tatsächlich suchen und mit welchem geschätzten Traffic, statt dass du blind rätst.
Schritt 3: Analysier die 1- und 2-Sterne-Bewertungen deiner Konkurrenten
Die schnellste Methode, um die Lücke im Markt analysieren zu können, ist nicht die Feature-Liste deiner Konkurrenten, sondern ihre schlechtesten Bewertungen. Menschen, die eine 1- oder 2-Sterne-Bewertung schreiben, haben Geld bezahlt, waren enttäuscht und sagen dir genau, was fehlt. Das ist im Grunde eine kostenlose Produkt-Roadmap, die jemand anders für dich geschrieben hat.
Geh auf G2, Capterra, Trustpilot oder den App-Store-Bewertungen deiner Konkurrenten und lies gezielt die negativen. Achte auf wiederkehrende Muster: "Support antwortet nie", "zu kompliziert für kleine Teams", "Preis explodiert nach dem ersten Jahr". Bekommen drei verschiedene Konkurrenten dieselbe Beschwerde, hast du eine Lücke gefunden, die nicht nur ein Einzelfall ist.

Viele biegen beim Bauen ihres MVP genau hier falsch ab: sie bauen alle Features nach, die der Marktführer hat, statt gezielt die zwei oder drei Dinge zu lösen, über die sich Kunden am meisten beschweren. Mehr dazu im Artikel zum MVP erstellen.
Schritt 4: Check die Preismodelle und finde raus, wo Kunden sich am meisten stören
Preise verraten dir mehr über einen Markt als jede Feature-Liste, weil sie zeigen, was Kunden schon bereit sind zu zahlen. Schau dir bei jedem Konkurrenten nicht nur die Zahl an, sondern wie das Modell aufgebaut ist: pro Nutzer, pro Aktion, gestaffelt nach Volumen, oder eine einzige Flatrate.
Ein Muster, das ich immer wieder sehe: Konkurrenten, die nach der Anzahl der Nutzer abrechnen, frustrieren oft kleine Teams, die eigentlich mehr Funktionen brauchen, aber nicht mehr Sitze. Patrick McKenzie (bekannt als patio11) hat dazu viel geschrieben, im Kern sein Punkt: Preisgestaltung ist ein Produktfeature, keine Nebensache.
Beschweren sich Nutzer über ein Preismodell, nicht nur über die Höhe, ist das oft eine leichter zu besetzende Lücke als ein komplett neues Feature zu bauen. Mehr dazu auch im Artikel zur SaaS Preisgestaltung.
So sehen zum Beispiel drei sehr unterschiedliche Produkte aus verschiedenen Nischen bei Traffic und geschätztem Umsatz aus, nur um ein Gefühl für Größenordnungen zu bekommen:
Schritt 5: Schau dir an, wo Konkurrenten Kunden verlieren, nicht nur, wie sie sie gewinnen
Wettbewerbsanalyse Schritt für Schritt heißt auch: den Kundenverlust deiner Konkurrenten verstehen, nicht nur ihre Neukunden. Die meisten Solo-Gründer schauen sich an, wie ein Konkurrent Kunden anzieht, Ads, Content, Partnerschaften, aber kaum jemand fragt sich, warum Kunden wieder gehen.
Das ist ein Fehler.
Hat ein Markt hohe Kündigungsraten, bedeutet das oft: das Produkt gewinnt Vertrauen kurzfristig, hält es aber nicht langfristig. Genau da kannst du ansetzen, mit besserem Onboarding, ehrlicherer Kommunikation, oder einem Feature, das den eigentlichen Grund fürs Kündigen löst. Wie du das systematisch angehst, steht ausführlicher im Artikel Churn reduzieren.
Kündigungsraten von Konkurrenten sind fast nie öffentlich. Du wirst sie also nur aus Indizien schätzen können, aus Bewertungen, aus Community-Posts, aus dem, was ehemalige Nutzer öffentlich schreiben. Nimm das als Richtwert, nicht als Fakt.
Schritt 6: Bau eine Vergleichstabelle und markier die Lücke schwarz auf weiß
Trag am Ende alles, was du gefunden hast, in eine einzige Tabelle ein, Konkurrent für Konkurrent, Feature für Feature, Preis für Preis. Das klingt banal, ist aber der Schritt, den die meisten überspringen, weil er nach Fleißarbeit aussieht. Genau diese Fleißarbeit zeigt dir aber schwarz auf weiß, wo eine Zeile leer bleibt.
| Kriterium | Konkurrent A | Konkurrent B | Ersatzlösung (Excel) | Deine Lücke |
|---|---|---|---|---|
| Preis pro Monat | ca. 29 € | ca. 49 € | kostenlos, aber Zeitaufwand | ? |
| Onboarding-Zeit | ca. 20 Min | ca. 45 Min | keins nötig | ? |
| Support-Reaktionszeit | oft mehrere Tage | oft mehrere Stunden | keiner | ? |
| Hauptbeschwerde in Reviews | zu teuer für kleine Teams | zu kompliziert | fehleranfällig, kein Reminder | ? |
Die letzte Spalte füllst du selbst aus, sobald du die Muster aus den Schritten 3 bis 5 zusammenträgst. Genau hier setzt auch unser Blueprint-Tool an: du gibst deine Idee und die Lücke ein, die du gefunden hast, und bekommst einen konkreten MVP-Funktionsumfang, einen Tech-Stack-Vorschlag und fertige Prompts, die du direkt in ChatGPT oder Claude weitergeben kannst, um loszulegen.
Schritt 7: Validier die Lücke, bevor du eine Zeile Code schreibst
Eine gefundene Lücke ist erstmal nur eine Vermutung. Echte Bestätigung bekommst du nur durch echtes Interesse von echten Menschen. Bau dafür eine einfache Landingpage, die genau beschreibt, welches Problem du löst und für wen. Ein Tool wie Carrd reicht dafür für wenig Geld im Jahr völlig aus.
Sammle darüber E-Mail-Adressen und führe parallel 10 bis 20 Gespräche mit Leuten aus deiner Zielgruppe, ohne ihnen dabei etwas zu verkaufen. Frag nach ihrem Alltag, ihren Problemen, wie sie es heute lösen. Der Mom Test von Rob Fitzpatrick beschreibt genau diese Falle sehr gut: frag niemals Freunde oder Familie, ob deine Idee gut ist, sie werden fast immer "ja" sagen. Frag stattdessen fremde Menschen aus deiner Zielgruppe nach ihren echten Problemen.
Worte kosten nichts. Eine Kreditkarte ist ein echtes Signal.
Willst du danach noch einen Schritt weiter gehen: biete eine vergünstigte Beta gegen eine kleine Anzahlung an. Wie du danach die ersten zahlenden Nutzer gewinnst, ganz ohne Werbebudget, findest du im Artikel Wie bekomme ich die ersten 100 Kunden ohne Ad-Budget.

Wo Leute bei der Wettbewerbsanalyse am häufigsten scheitern
Der häufigste Fehler ist, sich auf die zwei oder drei bekanntesten Namen zu fixieren und die Recherche danach abzubrechen. Du checkst Notion und Asana ab, siehst "das ist alles schon besetzt" und gibst auf, dabei hast du vielleicht nicht mal die zehn Excel-Vorlagen gesehen, die tatsächlich für 80 Prozent deiner Zielgruppe die echte Lösung sind.
Der zweite Fehler: zu früh aufhören zu suchen, weil man Angst vor dem hat, was man findet. Manche Gründer recherchieren bewusst oberflächlich, weil sie insgeheim wissen, dass eine gründliche Analyse ihre Idee zerlegen könnte. Das ist verständlich, aber teuer. Lieber jetzt zwei Wochen investieren als in sechs Monaten merken, dass der Markt schon längst wen anders gefunden hat, der genau dasselbe Problem besser löst.
Und ein dritter, kleinerer Fehler: die Konkurrenzanalyse einmal machen und nie wieder anfassen.
Märkte verändern sich, neue Tools kommen, alte verschwinden. Ein Blick alle paar Monate reicht meistens schon, um zu merken, ob sich an deiner Lücke etwas verändert hat.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Wettbewerbsanalyse und Konkurrenzanalyse?
Konkurrenzanalyse schaut nur auf Firmen mit einem ähnlichen Produkt. Wettbewerbsanalyse ist breiter gedacht: sie bezieht auch Excel-Vorlagen, Berater, YouTube-Tutorials oder gar keine Lösung als Alternative mit ein. Dein echter Wettbewerber ist manchmal keine Software, sondern eine selbstgebastelte Lösung, die seit Jahren funktioniert.
Wie findet man bei einer Wettbewerbsanalyse indirekte Konkurrenten und Ersatzlösungen?
Am besten googelst du Kombinationen wie "[Problem] Vorlage", "[Problem] Excel" oder "[Problem] wie machen andere" und schaust in Reddit-Threads, Facebook-Gruppen und Bewertungsportalen wie G2 oder Capterra. Genau solche Suchanfragen und deren geschätzten Traffic zeigt dir zum Beispiel die Trend-Finder-Recherche bei Starte.ai, statt dass du blind rätst.
Warum lohnt sich der Blick auf 1- und 2-Sterne-Bewertungen von Konkurrenten?
Menschen, die schlecht bewerten, haben bereits bezahlt, waren enttäuscht und beschreiben dir genau, was fehlt, das ist im Grunde eine kostenlose Produkt-Roadmap. Wenn mehrere Konkurrenten dieselbe Beschwerde bekommen, etwa zu Support oder Komplexität, hast du eine Lücke gefunden, die kein Einzelfall ist.
Warum sollte man bei der Wettbewerbsanalyse auch auf Kundenverlust statt nur auf Neukunden achten?
Die meisten Solo-Gründer schauen nur, wie Konkurrenten Kunden gewinnen, aber nicht, warum sie wieder gehen. Hohe Kündigungsraten deuten oft darauf hin, dass ein Produkt kurzfristig Vertrauen aufbaut, es aber nicht hält, genau da kannst du mit besserem Onboarding oder gezielten Features ansetzen.
Geschrieben von
Bohdan BernatekGründer, Starte.ai
Gründer von Starte.ai. Hat ein Business mit über 125.000 organischen Leads und siebenstelligem Umsatz aufgebaut — und begleitet heute Gründer persönlich dabei, aus den Daten tausender echter Projekte eine Strategie für ihre eigene Marke abzuleiten und die Creatives dafür zu produzieren.



